Die neuen Seilbahnen am Mont Blanc
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Mit Doppelmayr auf den höchsten Berg Europas


Doppelmayr erhält den Auftrag für die neuen Seilbahnen auf den Montblanc. Bild: Doppelmayr

Doppelmayr Italia gewinnt größten Auftrag der Firmengeschichte – Auftragswert 105 Millionen Euro

Vor kurzem erhielt Doppelmayr Italia GmbH den Zuschlag für den Bau der neuen Seilbahn auf den Mont Blanc. Es ist der bisher größte Auftrag für das Südtiroler Unternehmen mit Sitz in Lana: Das Gesamtauftragsvolumen beläuft sich auf 105 Millionen Euro.

Die neue, spektakuläre Bahn ersetzt die alte aus den 1940er bzw. 1950er Jahren. Die Anlage liegt auf italienischer Seite am Fuße des Mont Blanc und verbindet den Fremdenverkehrsort Courmayeur mit der Helbronner Spitze.

Der Spatenstich fĂĽr das Vorzeigeprojekt erfolgte Anfang April mit den ersten Vorbereitungsarbeiten der Baustelle.

Die Auftragsvergabe erfolgte nach dreimonatiger Auswertung der Angebote. Für die Teilnahme an der Ausschreibung schlossen sich mehrere Firmen zu einem Konsortium zusammen. Unter dem Namen „Cordée Mont Blanc“ beteiligen sich namhafte Unternehmen an der Errichtung der neuen Pendelbahn: der Seilbahnhersteller Doppelmayr Italia und mehrere Baufirmen wie PAC SpA aus Bozen, Valdostane Cogeis SpA, Costruzioni Stradali B.G.F. Srl, I.V.I.E.S. SpA und ein weiteres Baukonsortium aus dem Aostatal.

Betreiber der Seilbahnlage ist die Gesellschaft „Funivie Monte Bianco“, an der die Autonome Region Aosta maßgebend beteiligt ist. Sie gab letztendlich dem Konsortium „Cordée Mont Blanc“den Vorzug für den Bau der Aufstiegsanlage.

Die zukünftige Seilbahn auf den Mont Blanc erklimmt die Helbronner Spitze auf etwa 3500 m Meereshöhe in zwei neuen Teilsektionen. Die drei Streckenabschnitte der alten Bahn werden nach Beendigung der Arbeiten abgerissen. Glas und Stahl setzen architektonische Glanzpunkte bei den Stationsbauten und den futuristischen Kabinen. Die Stationen sind großzügig ausgelegt und geben über Aussichtsplattformen den Blick auf die imposante Bergkulisse frei.

Die Kabinen haben eine runde Form, sind vollständig verglast und rotieren um die eigene Achse. Doppelmayr hat diese zukunftweisende Technik bereits an anderen namhaften Orten im Einsatz: beispielsweise in Kapstadt, Palm Springs, am Berg Titlis in der Schweiz oder am Monte Baldo am Gardasee. Eine enorme Herausforderung für Doppelmayr ist es trotzdem: Nie zuvor wurde eine drehende Kabine in so großer Höhe eingesetzt.

Auf beiden Teilstrecken sind insgesamt vier Fahrzeuge mit einem Fassungsvolumen von je 80 Personen vorgesehen. Die gesamte Strecke ist 4,3 km lang und überwindet einen Höhenunterschied von 2140 Metern – mit einer Geschwindigkeit von 9 m/sec (ca. 30 km/h). Die Tragseile sind etwa 7 cm dick.

Der Antrieb erfolgt über zwei Elektromotoren mit je 600 kW. Pro Stunde können damit 800 bzw. 600 Personen (Teilstrecke 1 und 2) befördert werden.

Die neuen Kabinen sind ein Schaustück an Ästhetik und Innovation. Durch die Panoramaverglasung kann man die Rundumsicht auf das Bergpanorama ungestört genießen. Die Innenausstattung ist hochmodern ausgelegt: mit Boden- und Wandheizung, Soundanlage und Bildschirmen. Auf diesen werden über Wireless Livebilder der Kamera, die außen am Boden der Kabine angebracht ist, oder Infos wie Wetterdaten und Veranstaltungstipps eingeblendet. Weitere Ausstattungsmerkmale der Hightech-Kabine sind Klimaanlage, einstellbare LED-Beleuchtung und intelligente Pendeldämpfer – um nur einige zu nennen.

Die neue Talstation entsteht in Pontal d’Entreves – gegenüber der Seilbahn „Val Veny“. Spektakulär und ästhetisch ein Blickfang fügt sich der Bau dennoch gut in das Gesamtbild ein. Die Station kann gut über die Autobahn erreicht werden und verfügt über ausreichende Parkplätze – ein bisheriges Manko der bestehenden Station.

Die Mittelstation wird in der Nähe der alten Station errichtet. Sie wird lediglich um wenige Meter verschoben. Im Inneren sind große Konferenzräume und ein Restaurantkomplex geplant. Nebenan in Mont Frety lässt sich der legendäre botanische Garten bestaunen – der höchste Europas.

Auf 3500 m Meereshöhe nahe der Helbronner Spitze entsteht die neue Bergstation – mit riesiger Aussichtsterrasse und atemberaubendem Panoramablick auf das Mont Blanc-Massiv: Dente del Gigante, Grandes Jorasses, Vallée Blanche und den Mont Blanc (4810 m.ü.d.M.). Auf Grund der knappen Platzverhältnisse ist die Station terrassenförmig ausgelegt.

Von der Bergstation führt ein neuer Aufzug im Felsen hinab zum Schutzhaus „Rifugio Torino“. Bisher war dieses über eine kleine Seilbahn und einem Tunnel mit Stufen zu erreichen. Die Errichtung des Aufzugs und des Verbindungsstollens stellt einen arbeitsintensiven Kraftakt dar: Der Durchmesser des Aufzugschachts beträgt 7 Meter, der Höhenunterschied 70 Meter. Schließlich müssen noch eine 130 Meter lange Felsschicht durchbohrt werden.

Besonderes Augenmerk wird beim Bau der neuen Seilbahn auf Effizienz und Nachhaltigkeit gelegt, um den Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. So werden Materialien mit hoher Wärmedämmung verwendet sowie Photovoltaikanlagen und Heizungsanlagen mit Wärmepumpen für die Wärmerückgewinnung errichtet. Damit soll annähernd der Standard eines Nullenergiegebäudes erreicht werden.

Die Talstation in Pontal d’Entreves erfüllt sogar die Kriterien eines sogenannten „Aktivhauses“: Hier wird mehr Energie als benötigt erzeugt.

Die Bauzeit der neuen Seilbahn auf den Mont Blanc beträgt vier Jahre, die Inbetriebnahme ist für 2014 geplant.
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